Autor: Wyss

  • Vom Wachstum der guten und schlechten Früchte (Mt 7,16ff, Gal 5,22f)

    Vom Wachstum der guten und schlechten Früchte (Mt 7,16ff, Gal 5,22f)

    Einleitung

    Am Anfang eines neuen Jahres ist es oft eine gute Gelegenheit, um über das vergangene Jahr nachzudenken. Was habe ich gut gemacht? Was gehe ich ein nächstes Mal anderes an oder in welchen Lebensbereichen möchte ich mich verbessern? Könnten so Fragen sein. Wir können aber auch einen Blick in unseren Herzensgarten werfen und uns fragen: „Welche Früchte wachsen in meinem Herzengarten? Welche möchte ich, dass sie in meinem Garten wachsen?“

    Bestimmt ist jedem klar, dass deren Wachstum weder von selbst kommt noch ausserhalb unserer Verantwortung liegt. Diese Früchte reifen nicht plötzlich heran, sondern entwickeln sich allmählich. Es ist ein Prozess. Entscheidend ist, Jesus in unser Leben einzuladen und ihm zu erlauben, Schritt für Schritt mit uns zu gehen, damit wir möglichst in allem gute Frucht hervorbringen können.

    Nun fragst du dich evtl., warum ist das wichtig? Da lassen wir doch am besten gerade unseren Herrn Jesus Christus selber reden. In Matthäus 7,16ff. sagt Jesus:

    Hauptteil (LUÜ): gute und schlechte Früchte (Matthäus 7,16ff und Galater 5,22-25)

    Matthäus 7,16ff
    16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? (Gal 5,19) 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. (Mt 12,33) 18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 20 Darum, an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

    Im Galaterbrief spricht Paulus über die Früchte, die wir je nach Lebensweise hervorbringen. Darin spricht er über die „Werke des Fleisches“ (Gal 5,19) und über die „Früchte des Geistes“ (Gal 5,22).

    Galater 5,22-25
    22 Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, (Eph 5,9) 23 Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies steht kein Gesetz. 24 Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. (Röm 6,6) 25 Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln (Spr 12,14, Röm 8,4).

    Schluss

    Und das wollen wir jetzt gerade machen. Überlege dir auf einer Skala 1-10, wobei in der Tabelle unten 1 für «sehr schlecht» und 10 für «sehr gut» steht, wo du bei den einzelnen im Galaterbrief erwähnten Früchten stehst, indem du ein Kreuz auf den blauen Linien einträgst. Bei welchen dieser Früchte möchtest du dieses Jahr in deinem Leben gerne wachsen?

    Tabelle mit Tugenden
    Tabelle Tugenden

    Wenn du die einzelnen Früchte bewertet hast sowie die in denen du gerne wachsen möchtest, ist dies ein guter Zeitpunkt um Jesus einzuladen, dir zu helfen in diesen Lebensbereichen zu wachsen. Amen.

    Als Pdf: Vom Wachstum der guten und schlechten Früchte (Mt 7,16ff, Gal 5,22f)

  • Etwas zum Nachdenken: Gendergerechte Taufe

    Etwas zum Nachdenken: Gendergerechte Taufe

    «Im Namen des Vaters und der Mutter…» ? Ausführung einer Kindestaufe

    Dass innerhalb der reformierten Kirche nicht alles gleich läuft, sondern grosse Vielfalt herrscht, stellte Livenet-Chefredaktor Florian Wüthrich kürzlich verblüfft bei einem Gottesdienst fest. Und das nicht zuletzt bei der Sprache…

    Für mich als Teilzeit-Landeskirchler, der zwar Mitglied der reformierten Kirche ist, sich aber grundsätzlich im freikirchlichen Umfeld zu Hause fühlt, ist die Vielfalt innerhalb der Referformierten Pfarrämter immer wieder verblüffend. Zum Beispiel beim Thema Sprache.

    Zum Abschluss eines Blocks der Kirchlichen Unterweisung unserer Tochter besuchten wir einen reformierten Gottesdienst in unserer Stadt, bei dem auch zwei Taufen auf dem Programm standen. Es war eine schön gestaltete Abendmahlspredigt mit Elementen, die von den Kindern gestaltet wurden und andächtigen Orgelchorälen.

    Was mich jedoch aufhorchen liess, war die auffällig gendergerechte Sprache, die ich mir als Freikirchler nicht gewohnt bin. Die Taufe geschah nicht im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, wie ich das bis dato kannte, sondern «im Namen des Vaters und der Mutter».

    Liturgischer Text in «gerechter» Sprache

    Konkret lautete die Taufformel wie folgt:

    «Ich taufe dich auf den Namen Gottes,
    Mutter und Vater (Kreuz mit Wasser),
    in Jesus Christus Mensch geworden (Kreuz mit Wasser),
    im heiligen Geist dir nah (Kreuz mit Wasser).»

    Auf Rückfrage schreibt die evang.-ref. Pfarrerin Ruth Oppliger, die den Gottesdienst in Burgdorf geleitet hat, die von ihr verwendete Formulierung beim Taufakt lehne sich an die Vorschläge des Werks «Der Gottesdienst – Liturgische Texte in gerechter Sprache» an. «Schon in meinem Studium haben wir uns intensiv mit zeitgemässen Formulierungen biblischer und theologischer Inhalte in Anlehnung an die historisch kritische Methode befasst», so die Pfarrerin weiter. Die Taufformel basiere auf trinitarischer Basis.

    Ein sprachlicher Murks?

    Spannend ist, wie uneinig sich die reformierte Kirche bei diesen Themen ist. So schreibt Hans Herrmann, der Redaktionsleiter der monatlichen Zeitung «reformiert.», ganz unverblümt auf seinem Blog unter dem Titel «Love me gender», «die Verwendung geschlechtsneutraler und (angeblich) diskriminierungsfreier Begriffe ist ein von einer lautstarken, unduldsamen Mikro-Minderheit eingeforderter sprachlicher Murks, den (fast) niemand will».

    Der reformierte Theologe und Journalist bezieht sich dabei nicht nur auf sein eigenes Befinden als «ein bisschen konservativ gewordener 60-Jähriger», sondern auf Fakten: «Ein grosses Schweizer Medienhaus hat zu diesem Thema jüngst eine Umfrage durchgeführt, somit ist es jetzt quasi amtlich: Etwa drei Viertel der Bevölkerung in der Schweiz lehnen das ‘Gendern’ öffentlich und privat ab, den Genderstern sogar 95 Prozent. Sehr ähnlich sieht es in Deutschland aus.»

    Was die Bibel eigentlich meint

    Da vor ein paar Tagen Benjamin Kilchör zu Gast war im Livenet-Talk, ebenfalls reformiert geprägter Theologe und Professor für Altes Testament an der STH Basel, bat ich auch ihn um eine Einschätzung zu diesem gendergerechten Taufspruch. Seine Antwort gibt’s hier in voller Länge:

    Die Bibel in gerechter Sprache trägt eine der Bibel fremde Ideologie in den biblischen Text ein, weshalb ich ihr ablehnend gegenüberstehe. Es gibt einzelne berechtigte Anliegen, die meist in neueren Übersetzungen aufgenommen sind. So unterscheiden sich in den biblischen Sprachen die männliche und weibliche Form oft nur in der Endung, wobei für gemischte Gruppen die männliche Endung gewählt wird. Griechisch «Adelphoi» kann z.B. «Brüder» oder auch «Geschwister» bedeuten. Es macht Sinn, dort wo Frauen mitgemeint sind, mit «Geschwister» zu übersetzen, in alten Übersetzungen hat man aber immer «Brüder».

    Es gibt einige wenige Stellen, die Gott mit einer Mutter vergleichen, z.B. Jesaja Kapitel 66, Vers 13, wo Gott sagt «Wie eine Mutter tröstet, so tröste ich euch». Gott hat also durchaus auch eine mütterliche Seite. Er wird in der Bibel aber nie als Mutter angeredet. Anstatt darum die Bibel anzupassen, sollte man besser darüber nachdenken, was das, was uns in der Bibel begegnet, bedeutet. Männlich und weiblich sind in der Bibel nicht nur Geschlechterkategorien, sondern bilden etwas Grösseres ab, was im Kosmos (Himmel und Erde) und letztlich in Gott selbst seinen Ursprung hat.

    Nur zwei Beispiele: Senden ist männlich, Empfangen ist weiblich. Der Same ist männlich, die Erde, die den Samen aufnimmt, nährt und wachsen lässt, ist weiblich. In diesem Sinne ist Gott z.B. männlich, weil er sein Wort (den Samen) und seinen Sohn zu uns sendet und das Gottesvolk weiblich, weil es das Wort und den Sohn Gottes empfangen, beherbergen und Frucht bringen soll. Kehrt man das um, dann ist man plötzlich beim Turmbau zu Babel, wo nicht der Himmel zur Erde kommt, sondern die Erde versucht, zum Himmel zu kommen (Senden und Empfangen werden verkehrt).

    Bei der biblischen Sprache und Rede von Gott geht es also nicht um einen Geschlechterkampf, sondern um eine tiefere Symbolik der Geschlechter, die ihren Grund hat. Sie ist aber nicht mit einer Wertung von «Männlich» und «Weiblich» verbunden: Nur in der rechten Verbindung von Mann und Frau, von Himmel und Erde, kann Leben empfangen und weitergegeben werden (im biologischen und im geistlichen Sinne).

    Ist es also wirklich nötig, die Bibel an sich und die Gottesdienst-Liturgie sprachlich anzupassen und gendergerecht zu gestalten? Eine Anpassung würde der tieferen Symbolik letztlich gar nicht gerecht werden.

    Autor: Florian Wüthrich
    Quelle: Mit Erlaubnis von Herrn Wühtrich Livenet
    Quelle Bild: envato / Antonio Gravante

    Als Pdf: Gendergerecht Im Namen des Vaters und der Mutter

  • Wer ist mein Nächster (Lukas 10,25-37)?

    Einleitung

    Machen wir einen Versuch: Stellt euch vor, wir sitzen hier alle zusammen mit vielen anderen Menschen und hören Jesus Worten aufmerksam zu. Plötzlich steht ein Schriftgelehrter, das ist jemand der sich in der Heiligen Schrift sehr gut auskennt, auf und stellte Jesus fragen. „Was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“ Wow, jetzt wird es spannend, zumal sie ja bis heute die entscheidende Frage für den Menschen ist. Wie wird Jesus antworten, fragen wir uns? Jesus gibt aber seiner Überraschung Ausdruck. Was für eine Frage, du kennst doch das Gesetz, du hast es doch studiert und betetest täglich. So frage ich dich „Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?“ Der Schriftgelehrte antwortete: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und von ganzer Seele, von ganzen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ – Na also, du weisst es doch, ist doch ganz einfach, warum hast du mich eigentlich gefragt? „Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.“

    Also, alles klar? Nein, denn der Schriftgelehrte fühlte sich jetzt wie ein Schuljunge, dem eine Lehre erteilt worden ist. Deshalb wollte er sich für seine Frage rechtfertigen: Nein, nein, Jesus, so dumm ist meine Frage nicht und auch nicht so einfach zu beantworten, wie du es tust. Du scheinst die theologische Tiefe meiner Frage nicht erkannt zu haben. „Wer ist denn mein Nächster?“ Wer steht mir denn so nahe, dass ich ihm vor Gott zur Liebe verpflichtet bin? Auf diese Frage antworte Jesus dem Schriftgelehrten mit einem interessanten Gleichnis und das hören wir uns nun gespannt an (Lk 10,25-37).

    Hauptteil (NGÜ): Der barmherzige Samariter (Lk 10,25-37)

    30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. (3Mo 21,1) 32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

    Schluss

    Einmal mehr finde ich es genial, ja sogar barmherzig, wie Jesus sein Gegenüber abholt und ihm Augen, Ohren und vor allem das Herz für seine Botschaft öffnet. Eigentlich wollte der Schriftgelehrte doch von Jesus wissen, wer ihm der Nächste ist! Jetzt wird er herausgefordert, selbst anderen Nächster zu werden (V. 37). Denn Jesus sagt ihm: „So geh hin und tu desgleichen!“. Warum sollten er oder wir das überhaupt tun? Ist nicht jeder sich selbst der Nächste? Wenn das so wäre, würde eine Gesellschaft nicht funktionieren können. Die Bibel schreibt, dass wir jeden so behandeln sollen, wie wir auch behandelt werden wollen. Jeder braucht Liebe und Aufmerksamkeit, alle kommen irgendwann mal an den Punkt, wo sie Hilfe benötigen. Der Nächste ist also einer, der uns in einer misslichen Lage begegnet und unsere Hilfe benötigt. Ja ohne Zweifel, manchmal braucht es etwas Mut zu helfen. Klammer auf: Und dann wirst du merken, dass es dir nicht immer gelingt, das Gebot der Nächstenliebe in Vollkommenheit zu erfüllen und du auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen bist. Nächstenliebe ist also die Haltung und Bereitschaft einer Person zu helfen und sich uneigennützig und aktiv für sie einzusetzen – unabhängig von Rasse, Glauben oder sozialer Herkunft.

    Ein bedeutender Theologe, hat die Geschichte vom barmherzigen Samariter auf den Punkt gebracht: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht. Das notwendigste Werk ist immer die Liebe.“ „So geh hin und tu desgleichen!“ Amen.

    Pdf als Beitrag – Wer ist mein Nächster (Lukas 10,25-37)?